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Ken Flach war mit seinem Partner Robert Seguso 4-facher Grand-Slam-Sieger im Doppel und 36-facher ATP-Turniersieger (die Älteren unteruns werden sich erinnern). Sein nachfolgender Artikel trifft ziemlich gut, worauf es bei einem erfolgreichen Doppel - EGAL in welcher Spielklasse - ankommt....

1. Trainiere einen soliden Aufschlag fürs Doppel
Jedes gute Doppel braucht mindestens einen Aufschläger, der den Sack zumachen kann, auf den man sich verlassen kann und an dem sich das gegnerische Team die Zähne ausbeißt. Es wäre natürlich schön, wenn man hierfür mit 200 Sachen Asse in Serie schlagen könnte, aber das ist nicht unbedingt nötig. Viel wichtiger ist, auf eine gute Quote beim ersten Aufschlag aufbauen zu können, die gut platziert sind und dich in eine ausgezeichnete Position für den Volley bringen.

Eines der besten Doppel aller Zeiten, die Woodies—Todd Woodbridge und Mark Woodforde—hatten keine brutalen Aufschläge und waren trotzdem unglaublich gut darin ihre Aufschlagspiele durchzubringen. Warum? Sie haben bergeweise 1. Aufschläge ins Feld gebracht und dabei Richtung, Aufschlagart und Geschwindigkeit variiert. Sie sind schnell aufgerückt und waren normalerweise im T-Feld beim ersten Volley. Ein guter Kick- oder Slice-Aufschlag der deinem Gegner einiges abverlangt und deinen Netzpartner in eine gute Position für einen aggressiven Volley bringt, ist im Doppel bares Geld wert.

Im Gegensatz zu einem Kanonenaufschlag bringt dir ein Kick-Aufschlag (1) eine gute Position für ein beständiges Spiel am Netz und (2) gibt dir Zeit dich für deinen ersten Volley in Position zu bringen.

2. Sei eine Wildsau am Netz
Es ist viel Wahres an dem Spruch, dass ein Team nur so gut ist, wie seine Netzspieler. Der beste Weg deinem Partner dabei zu helfen seinen Aufschlag durchzubringen ist, so viele Volleys wie möglich zu spielen. Eines der größten Probleme vieler Spieler bei Aufschlag des Partners ist, dass sie nicht aggressiv genug sind. Tatsache ist, dass dein Partner bei einem guten Aufschlag eigentlich keinen Volley spielen dürfte, weil du die Returns klaust. Ein guter Netzmann ist immer im Kopf des Returnspielers und bereitet diesem Kopfzerbrechen und Unbehagen. Dein Gegner soll permanent nachdenken müssen "Geht er dazwischen oder bleibt er stehen?" Allein dieser Gedanke kann zu schwachen Returns oder Fehlern führen!

Hier ein paar Dinge, die dein Spiel am Netz verbessern:
Keine Angst vorm Ball:
Geh nah ans Netz und zwing dich deinen Gegnern förmlich auf. Lass sie merken, dass du da bist! Fordere sie geradezu dazu auf, dich zu überlobben.

Passiert werden gehört dazu:
Wenn du am Netz effektiv sein willst, musst du aggressiv sein. Komm dir nicht dämlich oder blamiert vor, wenn du deine Seite verlässt und dich dein Gegner dabei Longline passiert.

Beweg dich zum richtigen Zeitpunkt:
Wenn der Return nicht gerade im Schneckentempo zurückkommt, erfordert aggressives Netzspiel List und Antizipation. Als Faustregel gilt: sich seitlich nach vorne bewegen, wenn der Gegner beim Return mit seinem Schwung nach vorne beginnt

3. Returns üben
Sowohl auf der Einstand- als auch der Vorteilseite gleich gut returnieren zu können ist ein enormer Vorteil. Hierfür sollte man auf jeder Seite vier unterschiedliche Schläge trainieren:
- Longline Rückhand vorbei am gegnerischen Netz-Spieler (Vorteilseite)
- Inside-Out Rückhand auf den Aufschläger (Einstandseite)
- zweite Aufschläge früh nehmen und dem Return direkt nachgehen (beide Seiten)
- den geblockten Return als Lob möglichst über die Rückhand des Gegners (beide Seiten)

Am besten trainiert man obige Schläge, in dem man sich einen Spieler sucht, der sein Serve&Volley-Spiel verbessern will - so jemand serviert gerne bergeweise Aufschläge. Spielt von einer Seite bis 11 - Returns und Volleys werden cross gespielt (der Doppelstreifen zählt natürlich mit), dann wechselt auf die andere Seite (Einstand->Vorteilseite). So bekommt man einen guten Rhythmus auf jeder Seite. Als weitere Übung kann man den Longline-Return üben, in dem man als Returnspieler nur dann einen Punkt bekommt, wenn man den Doppelstreifen trifft.

4. Arbeite an einem Parade-Schlag
Ein solider Return ist lebenswichtig, bedeutet aber nicht, dass der Gegner den ersten Volley nicht zurück bringt. Prozenttennis von der Grundlinie bedeutet im Doppel grundsätzlich durch die Mitte zu spielen, aber gegen ein gutes Doppel, ist da selten Platz. Dann brauchst du einen Schlag, um das Blatt zu wenden. Der ein oder andere Killerschlag kann dann ein echter Bonus sein.

Als ich mit Robert Seguso gedoppelt habe, waren das bei ihm der kurz cross geschlagene Ball und sein Lob. Unsere Gegner waren ständig verunsichert, welchen der beiden Schläge er einsetzen würde.

Wenn ihr eure Gegner mit solchen Schlägen früh im Match ärgern könnt, müssen sie darauf reagieren: sie werden z. B. die Mitte aufmachen um auf den crosscourt-Ball zu reagieren. Wenn beide Killerschläge auch noch vom Bewegungsablauf fast gleich sind, wird es für den Gegner noch schwerer. In unserem Beispiel ist es z. B. wichtig, den Ball nicht zu lange zu führen, da beide Schläge einen schnellen Schwung brauchen um tödlich zu sein.

Die Ausgangsposition ist identisch, die kurz cross geschlagene Vorhand (1) bzw. der aggressive topspin Lob (2) sind erst ganz spät zu unterscheiden.

Redet miteinander!
Das wichtigste in einem Doppel ist Kommunikation. Als ich mit Seguso gespielt habe, haben wir die ganze Zeit geredet. Manchmal haben wir uns nicht unbedingt nette Dinge gesagt, haben wir haben immer miteinander gesprochen. Spiel nie mehr als ein paar Punkte ohne etwas zu deinem Partner zu sagen. Er muss wissen, dass du zu ihm stehst, und er nicht gegen dich und den Gegner spielt.

Dein Partner kann keine Gedanken lesen und wenn du deine Gedanken nicht mitteilst, vermutet er das Schlimmste und glaubt, dass du mit seiner Leistung unzufrieden bist. Selbst wenn das stimmen sollte, allein die Annahme wird sein Spiel unweigerlich verschlechtern!
Stattdessen: sei ein Cheerleader! Ein guter Doppelpartner ist permanent überoptimistisch – nicht ab und zu oder meistens – sondern permanent. Du musst deinen Partner ermutigen und aufpumpen, damit er sich trotzdem gut fühlt – auch wenn er Fehler macht! Er soll wissen, dass er versuchen darf den Volley zu klauen – ohne dass du ihm hinterher an die Gurgel springst, wenn er Longline passiert wird. Einen Partner, der einen dazu bringt übervorsichtig zu spielen und dadurch den Spaß aus einem Doppel nimmt, will doch kein Mensch haben!